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Kölner Stadt-Anzeiger
(25.01. 2007)
Es gibt ein Leben nach der "Musica
Antiqua".
Ex-Mitglieder starten erfolgreich durch.
Léon Berben (Cembalo/Orgel) schließlich
forcierte seine Solokarriere. Nach der 2006 bereits von
Le Monde de la Musique prämierten Aufnahme von Claviermusik
der Brüder Jacob und Hans Leo Hassler hat er zuletzt
auf zwei CDs das komplette Oeuvre des Stuttgarter Hoforganisten
Johann Ulrich Steigleder (1593-1635) eingespielt. Beide
Veröffentlichungen sind kleine Gesamtkunstwerke. Details
der prächtigen Ausstattung wie die vergoldeten Stimmwirbel
oder die perlmuttbeschlagenen Tasten des für die Aufnahme
herangezogenen Patavinus-Cembalo von 1561-eine Art Steinway
unter den Kielinstrumenten im Deutschen Museum München,
der einst die Gemächer derer Fugger und Medici zierte-sind
die Motive des geschmackvollen Layouts der Hassler-Platte;
Innenansichten der wunderschönen Jacobi-Kirche von
Lüdingworth/Cuxhaven und das prunkvolle Prospekt der
dortigen Wilde-Schnitger-Orgel schmücken die Steigleder
Gesamtausgabe.
Berbens Booklet-Texte bieten eine Fülle an Informationen
zu Werken und Disposition der Instrumente, wobei der Preis
für die reinen großen Terzen mitteltöniger
Stimmung in einigen der 40 Choralvariationen Steigleders
über "Vater unser im Himmelreich" besonders
ohrenfällig wird. Zu diesem als Schulwerk getarnten
Kompendium des Tonsatzes bieten sich Hans Leo Hasslers Variationen
über das Lied "ich gieng einmal spatieren"
zum Vergleich an.
Auch für Berben ging 2006 eine Ära zu Ende, und
es ist daher vielleicht kein Zufall, wenn Hasslers knapp
dreiviertelstündiger Verdauungsspaziergang durchs Reich
der Möglichkeiten musikalischer Veränderung auch
das Motto seines kulinarischen Cembalo-Recitals lieferte.
Peter Reichel
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