Rondomagazine (10.04. 2010)

Vincent Lübeck: Organ works

Es schnarrt und näselt, es rauscht, dröhnt und klingelt, ab und zu klappert ganz gewaltig die Traktur:
Nichts geht über barocke Orgelmusik, die auf den genuin dafür vorgesehenen historischen
Instrumenten dargeboten wird. Die höchst lebendige und ungemein charakteristische
Klangfarbenwelt der Arp-Schnitger-Orgeln in Hamburg (St.-Jacobi Kirche) und im ostfriesischen
Weener (St.-Georg) passen einfach hervorragend zur Orgelmusik Vincent Lübecks. Und der 1970 im
niederländischen Heerlen geborene Léon Berben geht außerdem kompetent mit der frühbarocken
Musik um: Die rhetorischen Elemente der Stylus-phantasticus-Passagen in den Präludien und
Praeambuli des Programms gestaltet er sehr schlüssig, und die satztechnisch bündigen Abschnitte
erlangen in seiner Interpretation ein hohes Maß an zugkräftiger Stringenz. Hinzu kommt ein kundiger
Einführungstext vom Organisten selbst, der neben seinem Informationswert auch noch die
Gewissheit mit sich bringt, dass Berben sich wirklich erschöpfend intensiv mit der dargebotenen
Musik, ihrem Umfeld und den Fragen ihrer Ausführung beschäftigt hat. Insgesamt also eine CD, die
von Fans frühbarocker Orgelmusik – und solchen, die es werden wollen – nicht übersehen werden
sollte.

Michael Wersin


   
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