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Toccata (6/2009)
Joan Cabanilles
Die Musik aus Spanien nimmt im Orgelrepertoire eine besondere Stelle ein. Wegen des spezifischen Klangcharakters der spanischen Orgeln lässt sich diese Musik auf anderen Orgeln nur schwer darstellen. Das führt selbstverständlich dazu, dass dieses Repertoire weniger geläufig ist als die Musik von z. B. Buxtehude, Frescobaldi oder Bach. Die Glanzzeit der spanischen Orgelmusik war zweifellos die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts, und die Schlüsselfigur war Joan Cabanilles. Er wurde von Zeitgenossen wie auch von folgenden Generationen hoch eingeschätzt. Auf der einen Seite ist seine Musik konservativ, indem er die Formen der Renaissance benutzt, auf der anderen Seite wusste er die alten Formen auf eine höhere Stufe zu bringen. Man könnte sagen, dass er in seiner Musik den Stil der Renaissance weiterentwickelt hat; barocke Züge findet man in seinen Werken nicht. Um die 200 Stücke sind erhalten geblieben, und dazu kommen dann noch kurze ‚Versos‘. Die er für die Alternatim-Praxis in der Liturgie komponiert hat. Prominent in Cabanilles‘ Oeuvre sind die ‚Tientos de falsas‘, die von ungewohnten harmonischen Fortschreitungen gekennzeichnet werden, wie die Tientos für ‚medio registro‘, eine Klaviatur, die in zwei Hälfte mit unterschiedlicher Disposition aufgeteilt ist. Léon Berben hat eine repräsentative Auswahl aus dem Schaffen von Cabanilles eingespielt, in der neben Tientos auch Passacalles und Gallardas erklingen. Seine Interpretation ist beeindruckend, sowohl technisch wie auch in der Interpretation. Die Phrasierung und Artikulation sind ganz natürlich und logisch, und lassen die Musik richtig atmen. Die eindrucksvolle historische Orgel sowie die vorzügliche Aufnahme und das sehr informative Textheft (auch auf deutsch)tragen dazu bei, dass diese Produktion ohne wenn und aber empfohlen werden kann. Übrigens möchte ich darauf hinweisen, das ein Stück nur mit einem SACD-Spieler abgehört werden kann.
Johan van Veen
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